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DFB Pokal Eintracht Frankfurt – Bayern München vom 28.10.2009


Nachdem die Bayern am vorigen Samstag das Bundesliga Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, nach Kommentatorenansicht „mühevoll“ mit 2:1 gewonnen hatten, stand nun die gleiche Paarung noch einmal an im DFB-Pokal, mit vertauschtem Heimrecht. Das bringt immer ein wenig Spannung und Brisanz mit sich, so dass hier einmal, per beinahe-Zufalls-Auswahl, diese beiden Spiele ein wenig kommentiert werden sollen, natürlich unter Einbeziehung der Reportereinsichten im Vergleich zu viel eher angemessenen.


Das Spiel vom Samstag ist im Prinzip relativ schnell zusammen gefasst. Am besten geeignet ein im Anschluss an das Spiel mit dem Trainer der Bayern, Louis van Gaal, geführtes Interview. Der mal wieder durch höchst komplexe Erstklässlerlehrerfahrung der Differenzbildung zwischen 1 und 2 überschlaue Berichterstatter wollte Louis van Gaal, heute mal „richtig auf den Zahn fühlen“. Das machte er mit der folgenden Frage deutlich: „Würden Sie heute von einem glücklichen Sieg der Bayern sprechen?“ Louis van Gaal hat zwar mittlerweile auch schon seine ersten Erfahrungen mit den deutschen Medien gemacht – übrigens ein Märthyrium, welches schon mehr als nur einen holländische Trainer den Job gekostet hat --, jedoch antwortete er, erkennbar um Sachlichkeit bemüht:
„Ich finde nicht, dass der Sieg glücklich war. Wir hatten eine Menge von Großchancen, alleine sechs in der ersten Halbzeit, und auch sonst haben wir genügend Chancen kreiert, der Gegner nur zwei. Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Ecken, mehr Torchancen. Ich glaubte nicht, dass man da von einem glücklichen Sieg sprechen kann. Wir haben das Glück auch erzwungen.“ 


Wenn man wollte, so dürfte man eigenmündig ergänzen: „Der Zeitpunkt des Siegtores in der 88. Minute mag es für Sie glücklich erscheinen lassen. Das ist aber auch das einzige Kriterium. Der Sieg war verdient, nach Spielanteilen und Leistungsdaten, und zwar recht deutlich.“


Nun gut, die Worte „Berichterstatter“ und „klein bei geben“ passen im Sky-Reporter-deutschen Sprachgebrauch einfach nicht zusammen. Also „setzte er energisch nach“. Das sah so aus: „Wenn Sie von einer Vielzahl von Großchancen sprechen, dann muss man doch zwangsläufig von Abschlussschwäche reden?“ Es gibt mal wieder kein Entrinnen. Louis van Gaal versuchte es dennoch: „Ich finde, meine Mannschaft hat heute ein gutes Spiel gezeigt. Wir haben eine große Zahl von Chancen erspielt. Der Ball geht manchmal rein, manchmal nicht. Ich sehe nicht, was wir falsch gemacht haben. Sorgen müsste ich mir machen, wenn wir keine Chancen gehabt hätten.“ Auch dieses Statement könnte man getrost in Gedanken ergänzen mit „wenn ich vor dem Spiel einen 2:1 Sieg hätte nehmen können, hätte ich sofort zugegriffen.“ Denn, laut der eigens angelegten Datenbank, stand immerhin die Chance von 24.2% gegen einen Sieg der Bayern, wie üblich vom Wettmarkt bestätigt. Ein Sieg ist ein Sieg, jeder Sieger sollte zufrieden sein. Es hätte also auch anders kommen können.


Die Dummdreistigkeit der Fragen dennoch bemerkenswert. Zuerst soll man dem Dummbatz erklären, dass man ausreichend viele Chancen hatte – was ihm demnach (bei den Lieblingsbeschäftigungen Däumchen drehen und Tore zählen, was ihn intellektuell allerdings komplett auslastet) während des Spiels entgangen ist – und, nachdem er darüber aufgeklärt scheint schwenkt er um und prangert einfach die „mangelnde Chancenverwertung“ an. Irgendwas wird sich schon finden lassen, was schlecht war.





Gestern Abend nun die „Revanche“. Der DFB-Pokal zieht sowieso, aber auch durch das samstägliche Ergebnis gab es sicher eine Vielzahl Frankfurter Fans, aber auch deutschlandweit, die der Eintracht für diese Paarung eine Überraschung zutrauen konnten. Und welcher neutrale Beobachter sieht denn nicht gerne mal eine Überraschung? Vor allem, wenn’s die Bayern trifft... Wobei die positive Frankfurter Erwartungshaltung auch zum Teil aus dem nur scheinbar glücklichen Sieg, jedoch einem weniger aufmerksamen Beobachter aufgrund der vorher beschriebenen “Analysen”, vom Samstag abgeleitet sein mag. So oder so würde man jedoch annehmen: neues Spiel, neues Glück und eine Chance gibt es immer.


Jedoch haben die Bayern das ganze Jahr über dagegen an zu kämpfen, dass sie mit maximalem Einsatz und Ehrgeiz bekämpft werden. Jeder andere Gegner könnte mal auf ein kleines Nachlassen hoffen, nein, gegen Bayern wird man immer 100% geben (jedoch keineswegs mehr, wie einem ab und an mal symbolisch aufgeschwatzt wird; 120% für heute?). In allen Stadien wird ihnen mit einer, sei es auch nur temporären – nämlich bis zum nächsten Europapokalabend  --, Abneigung begegnet. Das kann sogar für ein solches Spiel, gerade nach ein paar Wochen der etwas ungünstigeren Ergebnisse, eine kleine zusätzliche Motivationsspritze sein. 


Jedenfalls geschah nicht viel anderes als am Samstag auch schon. Die Bayern waren die bessere Mannschaft und sie kamen zu Torchancen. Kleiner Unterschied zum Samstag: Diesmal ging schon eine der ersten Chancen rein. Das 1:0 für Bayern. Und jeder, der etwas von Fußball versteht – in aller Regel also alle Zuschauer außer dem hinter dem Mikrofon befindlichen --, der weiß, dass das vielfache Vorteile mit sich bringt. Die Spieler der führenden Mannschaft fühlen sich sicherer, die der gegnerischen Mannschaft angeknackst. Man muss weder hinterherlaufen noch erst mal etwas beweisen. Man führt. Und bei einem Schnitt von unter drei Toren pro Spiel weltweit im Profifußball kann man sofort ermessen, wie wertvoll ein solches Tor ist. Aus den 59.2%, die der Computer vor dem Spiel für den Sieg der Bayern veranschlagt hat, werden im Nu 82%, um es in Wahrscheinlichkeiten auszudrücken, in Abstimmung mit dem Wettmarkt.


Es spielt sich leichter für Bayern, für den Gegner schwerer. Dennoch kam es weiterhin eher zufällig zu einer weiteren Chance (Rückpassfehler Franz), und auch diese Chance wurde verwertet. Das 2:0. Nun sei hier die Bedeutung für die Chancenentwicklung auf den Spielausgang ausgespart und auch die weitere Motivation der Mannschaften. Die Bayern, teilweise dank ihrer überlegenen Klasse, teilweise wegen der Erleichterung der frühen Tore, aber auch wegen eines kleinen Defizits in den vorangegangenen Spielen erzielten auch noch das dritte. Ein 3:0. „Das Ding ist gelaufen“ hört man zwar nicht gerne, und man darf vielleicht raten, dass noch immer ein Promille dagegen stehen mag, aber es würde keinen Spaß machen, auf dieses Wunder zu warten. Der Satz ist zutreffend. Wenn man aber gezwungen wird, weiter zu kommentieren, dann sollte man in der Folge den Fokus auf die einzelnen Aktionen legen und nicht auf die Chancenverteilung über den Spielausgang. Also für den Zuschauer den Zwischenstand quasi „ausblenden“. Was wäre der Sinn, es bei jeder Szene zu erwähnen? Die ganze Zeit so zu tun, als ob es total spannend wäre, weil man den Sieger nicht wüsste? Oder das Spiel hörbar “abpfeifen“, mit desinteressierten Kommentaren, da es um nichts mehr geht? Obwohl bei Sky dies der Standard : Nein, das sollte nicht sein. Ab jetzt gäbe es die Chance, einfach nur noch Fußball kommentiert. Und das muss kein Nachteil sein.


Das wäre generell ein Vorschlag: Sich einfach mal bei den Spielszenen aufzuhalten. Keine Allgemeinplätze („sie versuchen es immer wieder mit...“), keine Häme („ein Fehlpassfestival“), kein Zwischenkommentieren während einer Aktion mit Bewertung („gar nicht mal so schlecht, die Flanke“; raubt die Spannung). Einfach die einzelnen Spielszenen wegen der Schönheit und Attraktivität der Sportart selber kommentieren, wegen der Spannung eines sich anbahnenden einzelnen Torerfolges, unabhängig vom letztendlichen Ausgang des Spiels, welcher vorgezeichnet ist. Nun gut, unvorstellbar, zugegeben, das gilt aber nur für Deutschland. 


Aber was tat der so heiß geliebte und hoch geschätzte Sprecher? Bei jeder Einblendung, in der er zuhören war in der Konferenz (nur klare Ergebnisse an dem Abend; Schalke gewann bei 1860 mit 3:0, Werder besiegte Kaiserslautern mit 3:0 und Hoffenheim gegen TuS Koblenz mit 4:0) hackte er noch ein bisschen bösartiger auf der Frankfurter Eintracht herum. Er wollte wohl wie üblich sich selber feiern und auch die letzten Zuschauer noch zum Ausschalten bewegen. Sicher mit gutem Erfolg. 


So konnten die sehr wenigen Zuschauer, die der indirekten Aufforderung des „Abschaltens“ nicht nachgekommen sind, seine genialen, komödiantischen Redewendungen bezeugen. 


Beispiel: Angriff der Bayern, sie kommen in den Strafraum, aber ohne Abschluss: „Das ist nicht so einfach wie im Training. Das ist viel einfacher.“ Schlaukopf. Man möchte ihm zurufen: „Hättest du den gleichen Kommentar auch abgegeben, wenn du den Zwischenstand nicht gewusst hättest?“ Oder war die Einfachheit ausschließlich der eingeblendeten Ergebnistafel entnommen? 

Wenn er es nicht gewusst hätte, oder, was der schlaue Mann gesagt hätte, beispielsweise beim Stand von 0:1 gegen Bayern, kann man zur identischen Szene in etwa so extrapolieren: “So kommen sie nie durch. Da fehlt die Präzision, der Blick für den Mitspieler, die Bewegung, die letzte  Konsequenz, das letzte Zuspiel.“ und was nicht alles...


Dann überbot er auch diesen Auftritt noch bei der nächsten Einblendung: „Das ist kein Klassenunterschied.“ Nein, denn das war früher. Der „Gag“, der ihm das Millionenpublikum (von Milben) sichert: „Das sind zwei Klassen Unterschied.“ Ein echter Schenkelklopfer. Da sind sogar die Milben geflüchtet. Und das ist wahrhaft eine Kunst... Vielleicht sollte er zum Kammerjäger umsatteln?


Nun gut, was solls, man kann nicht immer treffen. Auch hier bitte: Entzieht dem Mann doch ein einziges Mal sein sicheres Fangnetz und lasst ihn eine einzige Szene ohne Kenntnis des Ergebnisses kommentieren. Dann bliebe -- außer dem Stottern -- nur noch die schlechte Grammatik. Aber man ahnt, was übrig bleiben würde: Er würde einfach schweigen. Wegen der Unfähigkeit, irgendetwas zu erkennen. Nach hinten würde er raunen: „Menno. Ihr müsst mir wenigstens sagen, wie es steht, Sonst weiß ich doch nicht, auf wem ich rumhacken soll?“ 

Tore zählen und Hacken ist das einzige, was er kann. Ohne Fangnetz  des Ergebnisses bliebe nur das Schweigen. Das hingegen wäre nun wirklich mal der Sache dienlich. Austauschen des Reporters hülfe nicht. Denn der Ersatzmann laberte den gleichen Unsinn.




Zusammengefasst: Das Spiel am Sonnabend war irgendwie nicht recht, weil die Chancen nicht verwertet wurden. Da fehlte etwas, da war etwas falsch, das Ergebnis und das Zustandekommen deckte sich anscheinend nicht mit den Erwartungen. Der Trainer erklärt ihnen ganz ruhig, dass Fußball eben so funktioniert. Man versucht, Chancen zu bekommen. Wenn man sie hat, ist Teil 1 erfüllt. Dann versucht man, möglichst viele davon zu verwerten. Teil 2. Gelingt, mal mehr, mal weniger. Am Samstag eher weniger, aber noch immer ausreichend oft. Denn: ein Tor mehr als der Gegner reicht zum Siegen, das Spiel dauert 90 Minuten, mehr als drei Punkte bekommt man auch für ein 4:0 nicht. Höchstens, dass der Siegtreffer zum 2:1 am Samstag spät fiel und, entgegen einer völlig albernen und an sich falschen Erwartung (“Abschlussschwäche, wenn die Chancen nicht genutzt werden?”) war es dem Frager wohl nicht hoch genug.


Andernfalls: Wenn es dann gelingt, wie am Dienstag, dass ein paar dieser Chancen verwertet werden, dann ist, anstatt die gewonnene Erkenntnis, dass die Chancen mal rein- und mal nicht reingehen zu nutzen – von van Gaal als Erklärung geliefert und hier bestätigt --, stattdessen die „unterirdische“ Leistung des Gegners dafür verantwortlich. Und das musste man sich dann wirklich 65 Minuten lang, also ab dem 0:3, anhören. „Kollektives Versagen..“, „das gleich alle auf einmal eine solche Katastrophenleistung abliefern...“ und so weiter. Fußballverstand? Sehr, sehr knapp oberhalb der Grasnarbe, so etwa im Milbenbereich.. 


Recht ist ihm ein 0:3, 0:4 auch nicht. Es geht einfach nicht, den Herren Berichterstattern überhaupt einen Spielverlauf zu präsentieren, nein, nicht einmal einen einzigen Spielzug, der ihren -- natürlich berechtigterweise, nach eigenen Ansichten --  hohen Ansprüchen genügt. Wenn ein Dribbling gelingt heißt es, „das geht viel zu einfach“, wenn der Angreifer hängen bleibt „rennt er sich immer wieder fest.“  Wenn eine Flanke bei der Verteidigung landet, war die Flanke schlecht. Wenn der Stürmer sie erreicht und einköpft, handelte es sich um „kollektiven Tiefschlaf.“ Eine “gelungene Aktion” gibt es nicht. Eine solche könnte nach Auffassung der Kommentatoren nur ein blutiger Laie erkennen. “Schön gespielt”, denkt jener. “Ach, du Anfänger. Das könnte doch jeder, wenn er so viel Platz bekäme, vom Gegenspieler durch den Stellungsfehler eingeräumt.” Nix zu machen: gut geht nicht und gibts nicht.



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